Freitag, 7. Januar 2011

Alice Sebold - The Lovely Bones


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Verlag: Picador
Seiten: 328

Inhalt:
Susie Salmon wird von einem Nachbarn vergewaltigt und ermordet. Während die Polizei vergeblich nach dem Täter sucht und die Familie, jeder auf seine Weise, versucht, mit dem Tod der Schwester/Tochter/Enkelin umzugehen, beobachtet Susie ihre Familie aus dem Himmel.

Meine Meinung:
Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Buch wie viele andere auch durch den Trailer zum Film.

Beginnt das Buch noch relativ harmlos damit, dass man Susie und ihre Familie kennen lernt, wird es nur wenige Seiten später richtig heftig. Beinahe völlig emotionslos schildert Susie ihre Vergewaltigung und Ermordung und das auch noch sehr detailreich. Besonders nahe ging mir das vor allem deswegen, weil ich wusste, dass die Autorin selbst eine ähnliche Erfahrung gemacht hatte und gerade so mit dem Leben davon gekommen war. Am meisten beeindruckt und gleichzeitig erschüttert hat mich der Satz (frei übersetzt):
"Und dann ließ er mich in dem Sack in seiner Garage stehen und ging ins Haus und ein Teil von mir sickerte duch den Sack und hinterließ einen Fleck auf dem Boden."

Überhaupt hat mich der bildhafte Schreibstil der Autorin sehr mitgerissen. Deshalb haben mich auch die vielen Zeitsprünge, die gegen Ende des Buches verstärkt auftraten, nicht so sehr gestört. Mich haben sie an Momentaufnahmen erinnert, was sehr schön zum Text passte, der aus Susies Sicht geschrieben war. Susie wollte immer Tierfotografin werden und hat von ihren Eltern zum Geburtstag einen Fotoapparat bekommen. Damit schoss sie unzählige Fotos, weil sie damit einen Moment festhalten konnte, der bald schon Vergangenheit war. Nur auf ihrem Foto blieb er erhalten. So kommt es einem vor, wenn Susie ihre Familie auf der Erde betrachtet.

Was Alice Sebold auch sehr gut gelungen ist, ist die Charakterisierung der einzelnen Personen. Obwohl es sehr viele Charaktere gibt, bleibt kein einziger blass, keiner wird in den Hintergrund gedrängt, wie unwichtig seine Rolle auch ist. Und es gibt definitiv keine schwarz-weiß Zeichnungen in diesem Roman. Ohne jetzt zu viel vom Inhalt verraten zu wollen, möchte ich doch sagen, dass meine Sympathien eindeutig bei Abigail, Susies Mutter lagen, obwohl diese von allen Familienmitgliedern wohl am schlechtesten mit ihrer Trauer umgehen konnte und dadurch so einige schwerwiegende Fehler begangen hat. Dennoch kann man ihre Handlungen immer nachvollziehen. Und sogar George Harvey, der Mörder, bekommt eine richtige Persönlichkeit, statt einfach nur ein dunkler Schatten zu bleiben. Natürlich wird seine Tat dadurch nicht gerechtfertigt, oder nachvollziehbar. Ich hatte nicht einmal echtes Mitleid mit ihm. Aberes wird deutlich, dass er nicht ohne Grund ein so schlechter Mensch geworden ist.

Doch auch wenn es sich jetzt vielleicht so anhört: Die Geschichte ist nicht immer nur traurig. Sie enthält schöne Momente, lustige, spannende, furchtbare und traurige. Eigentlich sind es so viele Geschichten und Momente in diesem einen Buch, dass man es gar nicht alles in so einer Rezension erwähnen kann. Aber wie gesagt, es gab auch lustige Szenen, die ich nocheinmal hervorheben möchte. Sobald nämlich die "Oma" Lynn zu Besuch kommt, kehrt auch wieder etwas Leben in das Haus der Salmons zurück. Die alte Dame, die auch mit 70 noch raucht, trinkt und mit hochhackigen Schuhen durch die Gegend läuft, übernimmt den Haushalt und mischt alles ziemlich auf. (Das war auch eine Szene, die mir im Film besonders gut gefallen hat.)

Zwischendurch gab es hin und wieder ein paar Längen, aber die waren zu verschmerzen, weil sie trotzdem nett zu lesen waren. Zum Schluss konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil es noch einmal Schlag auf Schlag ging, wenn auch nicht im Sinne von wirklicher Krimi-Spannung. Ich will das Ende natürlich nicht verraten und sage deswegen nur, dass es mir sehr gut gefallen hat. :zwinker: Ein bisschen kitschig einerseits, andererseits aber auch realistisch genug, dass es glaubhaft war. Alles in allem hat mich das Buch gleichzeitig erschüttert, berührt und begeistert.

Noch kurz etwas zum Film, den ich mir direkt nach Beenden des Buches angeschaut habe: Wie bei fast jeder Buchverfilmung wurde auch hier (anders ginge es wohl kaum) viel verändert und gekürzt. Meiner Meinung nach hat Peter Jackson den Fokus eher auf den Mord, dessen Aufklärung und Susies Erlebnisse und Gefühle gelegt, statt auf die Reaktionen der Familie. Lustigerweise hätte ich mir das Buch vor dem Lesen so gewünscht, wie der Film war, fand dann aber beim Ansehen des Filmes die Schwerpunktlegung im Roman besser. Auch wenn ich den Film vielleicht nicht direkt nach dem Lesen hätte schauen sollen, hat er mir doch sehr gut gefallen. Es hat eigentlich alles "gepasst", auch wenn es anders war.

Bewertung:

Challenges 2011

Dieses Jahr habe ich mich dazu entschlossen (recht kurzfristig, ehrlich gesagt), an zwei Challenges teilzunehmen.

Da ist einmal die I'm in... English Challenge von Katrin und Nina. Hier soll jeden Monat ein englisches Buch gelesen und rezensiert werden. Einfache Regeln, aber trotzdem eine Herausforderung, wenn man bedenkt, dass ich letztes Jahr genau 4 Bücher auf Englisch gelesen habe. Das muss sich auf jeden Fall ändern!


Die zweite Challenge ist die Seiten-Zähl-Challenge von Kathrin, bei der man sich zu Beginn des Jahres auf eine bestimmte Anzahl von Seiten festlegt, die man lesen will, und dann versucht, im Verlauf des Jahres genau so viel zu lesen. Letztes Jahr bin ich knapp an den 20.000 vorbeigeschrammt, hatte aber insgesamt das Gefühl, nur sehr wenig gelesen zu haben. Und da ich ja andernorts schon für meinen Größenwahn bekannt bin, habe ich mich für ein Ziel von 30.000 Seiten entschieden. Immerhin habe ich verhältnismäßig viel Freizeit dieses Jahr.


Mittwoch, 5. Januar 2011

Statistik 2010

Gelesene Bücher: 51 (47 deutsch, 4 englisch)
Gelesene Seiten: 19.729
Durchschn. Bewertung: 4,4 /5

Highlights:
Kai Meyer - Die Sturmkönige Trilogie
Alfred Lansing - 635 Tage im Eis
Bernard Cornwell - Die Uhtred Saga
Khaled Hosseini - Tausend strahlende Sonnen
Charlotte Thomas - Der König der Komödianten
Nina Blazon - Totenbraut
Gina Mayer - Das Lied meiner Schwester
Ursula Posnanzki - Erebos

Flops:
Schiller - Maria Stuart
Cornelia Funke - Reckless

SUB 2011

A
Adiga, Aravind - The White Tiger
Adrian, Lara - Geliebte der Nacht
Alcott, Louisa May - Little Women
Allende, Isabel - Das Geisterhaus
Aust, Kurt - Die Bruderschaft der Unsichtbaren
B
Bachmann, Ingeborg - Malina
Barron, T.A. - Merlin II
Baur, Eva Gesine - Das Leben der Charlotte Schiller
Bear, Greg - Die Stadt am Ende der Zeit
Blazon, Nina - Faunblut
Bray, Libba - Der geheime Zirkel III
Bronte, Emily - Wuthering Heights
C
Canavan, Trudi - The Magician's Apprentice
Carmody, Isobelle - Im Herz der Schatten
Cashore, Kristin - Graceling
Clarke, Susanna - Jonathan Strange & Mr Norrell
Coelho, Paulo - Die Hexe von Portobello
Collins, Suzanne - The Hunger Games
Collins, Suzanne - Catching Fire
Collins, Suzanne - Mockingjay
Cornwell, Bernard - Azincourt
D
Degen, Michael - Nicht alle waren Mörder
Donelly, Jennifer - A northern light
E
Einsle, Hans - Ich, Minos, König von Kreta
F
Falck, Kristin - Die Hüter der Wolken
Farmer, Philip José - Die Flusswelt der Zeit
Finley, Victoria - Das Geheimnis der Farben
Fitzgerald, Penelope - Die blaue Blume
Flacke, Uschi - Hannah und der Schwarzkünstler Faust
Fontane, Theodor - Effi Briest
Francis, Clare - Keep me close
G
Gaarder, Jostein - Das Leben ist kurz
Gaarder, Jostein - Maya
Gaarder, Jostein - Sophie's World
Gaiman, Neil - American Gods
Garey, Terri - Dead girls are easy
Goldman, William - Die Brautprinzessin
Gößling, Andreas - Tzapalil
Grahame-Smith, Seth - Pride & Prejudice & Zombies
Greene. Graham - Der dritte Mann
Gregory, Philippa - The Other Boleyn Girl
Gregpry, Philippa - The Virgin's Lover
Günther, Ralf - Der Gartenkünstler
H
Habeck, Robert - Unter dem Gully liegt das Meer
Harris, Charlaine - Ein Vampir für alle Fälle
Harris, Charlaine - Vampirgeflüster
Hawthorne, Nathaniel - The Scarlet Letter
Heitz, Markus - Sanctum
Hennen, Bernhard - Die Elfen
Heuston, Kimberly - Antonia, Dantes Tochter
Hohlbein, Wolfgang - Fantastische Kreaturen
Hohlbein, Wolfgang - Die Templerin
Hohlbein, Wolfgang - Die Tochter der Himmelsscheibe
Howard, Jonathan L. - Seelenfänger
I
Ibbotson, Eva - A song for summer
Irving, John - The World According To Garp
Isomäki, Risto - Die Schmelze
J
James, Henry - The Portrait of a Lady
K
Kafka, Franz - Das Schloss
Kearsley, Susanna - Mariana
King, Stephen - The Tommyknockers
Kinkel, Tanja - Säulen der Ewigkeit
Korte, Lea - Die Maurin
L
Larsson, Stieg - Verblendung
Le Carré - Der wachsame Träumer
Le Guin, Ursula K. - Der Magier der Erdsee
Lee, Harper - To kill a mockingbird
M
Mallorqui, Cesar - Die Kathedrale des Teufels
Mandela, Nelson - Der lange Weg zur Freiheit
Marklund, Liza - Studio 6
Marklund, Liza - Der rote Wolf
Martin, George R. R. - Die Herren von Winterfell
Martinez, A. Lee - Eine Hexe mit Geschmack
Marzi, Christoph - Lycidas
Marzi, Christoph - Nimmermehr
Matheson, Richard - Ich bin Legende
Mayer, Gina - Die Protestantin
Mayer, Gina - Das Medaillon
Mayr, Ernst - Das ist Evolution
McEwan, Ian - Abbitte
McGregor, Ewan - Long Way Down
McNish, Cliff - The Doomspell Trilogy
Moore, John - Hauen und Stechen
N
Nair, Preethi - Koriandergrün und Safranrot
Nathan, Melissa - Die Nanny
Nicholls, Stan - Die Orks
Noel, Alyson - Der Nächste, bitte!
Novacek, Michael - Time Traveler
Novik, Naomi - Drachenbrut
Nuyen, Jenny-Mai - Nijura
O
O'Shea, Pat - Die Meute der Mórrígan
Oates, Joyce Carol - Niagara
P
Patterson, James - Sam's letters to Jennifer
Peinkofer, Michael - Die Rückkehr der Orks
Plöger, Sven - Gute Aussichten für morgen
Pratchett, Terry - Maurice, der Kater
Pressler, Mirjam - Für Isabel war es Liebe
Pullman, Philipp - Das Bernsteinteleskop
Q
R
Reiche, Dietlof - Keltenfeuer
Rice, Anne - Die Mumie
Riebe, Brigitte - Die Hüterin der Quelle
Rossi, Sonia - Fucking Berlin
Ruffié, Jacques & Sournia, Jean-Charles - Die Seuchen in der Geschichte der Menschheit
S
Schätzing, Frank - Der Schwarm
Schmitt, Eric-Emmanuel - Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Schröder, Rainer M. - Das geheime Wissen des Alchimisten
Schröder, Rainer M. - Das Kloster der Ketzer
Schütze, Silke - Links und rechts vom Glück
Sebold, Alice - The Lovely Bones
Seibt, Ferdinand - Die Begründung Europas
Shackleton, Ernest - South: The Endurance Expedition
Simmons, Dan - Ilium
Skye, Christina - Glühender Rubin
Smith, Zadie - On Beauty
Sparks, Nicholas - Das Lächeln der Sterne
Spiegel, Hubert - Kafkas Sätze
Stroud, Jonathan - Bartimäus II
T
Thorn, Ines - Die Pelzhändlerin
Toman, Claudia - Hexendreimaldrei
U
Ustinov, Peter - Der alte Mann und Mr. Smith
V
W
Warburton, Carol - Eyes of a stranger
Williamson, Penelope - Im Dunkel der Tod
Wolter, Ursula - Wohin die Wolken ziehen
X
Y
Z
Zimmer Bradley, Marion - Gildenhaus Thendara
Zusak, Markus - Die Bücherdiebin

Montag, 9. August 2010

Nele Neuhaus - Eine unbeliebte Frau



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Verlag: List
Seiten: 382

Inhalt:

Eine Ladung Schrot aus dem eigenen Jagdgewehr beschert dem Frankfurter Oberstaatsanwalt ein schnelles, wenn auch sehr hässliches Ende. Die schöne junge Frau, die tot am Fuß eines Aussichtsturms im Taunus liegt, ist viel zu unversehrt, um an den Folgen eines Sturzes gestorben zu sein.
Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine neue Kollegin Pia Kirchhoff sind sich einig: Der erste Todesfall war ein Selbstmord, der zweite jedoch ein Mord. Bald häufen sich sowohl die Motive als auch die Verdächtigen.

Meine Meinung:

"Eine unbeliebte Frau" ist der erste Band über das Team Bodenstein und Kirchhoff. Nachdem ich bei einer Leserunde bereits den dritten Teil "Tiefe Wunden" gelesen habe und mir der in meiner Heimat, dem Taunus, angesiedelte Roman sehr gut gefallen hatte, habe ich vor kurzem nun auch die beiden Vorgängerbände gekauft.

Der Grund, weshalb ich überhaupt auf diese Krimis aufmerksam wurde ist, dass sie, wie schon gesagt, im Taunus spielen. Es ist einfach etwas anderes, wenn man sich die Handlungsorte einer Geschichte bildlich vorstellen kann, weil man sie kennt, statt dass alles der Fantasie überlassen bleibt. Wenn dann zum Beispiel in Frankfurt am Mainufer eine Leiche gefunden wird, oder die beiden Ermittler durch Kelkheim fahren, weiß ich ziemlich genau, wo das ist, ja ich könnte mich sogar ins Auto setzen und wäre in ein paar Minuten da.

Diese vertrauten Orte ließen das Geschehen in den Büchern für mich zusätzlich noch realer wirken. Wer weiß, was hier tatsächlich für Verbrechen passieren ohne dass ich es mitbekomme. Nele Neuhaus hat immerhin bei der Polizei vor Ort recherchiert. Ganz aus der Luft gegriffen werden diese Ereignisse also nicht sein. Und dabei kommt es einem so vor, als könnte hier, im friedlichen Taunus, weit abgeschieden von der Wirklichkeit, nichts passieren...

Natürlich kann man die Bücher auch lesen, wenn man nicht hier wohnt. Das tut den Geschichten mit Sicherheit keinen Abbruch. Die Autorin schafft es nämlich, den Leser bis zum Schluss an der Nase herumzuführen. Was habe ich nicht alles für Vermutungen angestellt, wen habe ich nicht alles schon als Täter gesehen! Dabei war ich teilweise sogar schon auf der richtigen Fährte, wenn auch aus völlig falschen Gründen, habe mich dann aber von den Gedanken der beiden Ermittler wieder umstimmen lassen.

In diesem Buch, das ist mir teilweise auch negativ aufgefallen, kamen sehr, sehr viele Personen vor. So viele, dass ich zwischendrin auch einfach den Überblick verloren habe, wer wer ist und wer warum verdächtigt wurde oder auch nicht. Für die Geschichte war zwar jede einzelne Figur notwendig und gerade diese Vielfalt an Verdächtigen machte auch die Verworrenheit und Genialität des Falls aus, trotzdem erschwert es hin und wieder das Verständnis. Bei mir hat am Ende der positive Aspekt den negativen in den Hintergrund gedrängt, aber ich möchte das hier dennoch nicht unerwähnt lassen.

Gut gefallen haben mir vor allem die beiden Protagonisten, Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein. In diesem Band erfährt man noch nicht allzu viel von ihrem Privatleben, es ist eher so, dass man immer wieder einen kurzen Blick darauf werfen kann. Sympathisch sind sie aber auf jeden Fall. Dabei ist es sehr erfrischend, dass es zwar eine weibliche und eine männliche Figur ist, es zwischen diesen beiden aber überhaupt nicht knistert. Kein bisschen. Denn Pia ist frisch getrennt und Oliver glücklich verheiratet. Zwar schielt er auch zwischendurch auf andere Frauen, bleibt seiner Cosima aber dennoch treu. Von Ermittlern, die entweder psychische Wracks sind oder die eine Beziehung zu ihrem sehr attraktiven Partner anfangen, habe ich nämlich ehrlich gesagt die Nase voll.

Auch sonst ist die Handlung sehr glaubwürdig und die Menschen sehr authentisch. Sogar der typisch hessische Dialekt wurde einer Zeugin in den Mund gelegt, worüber ich mich köstlich amüsiert habe. Schwarz-weiß Malerei findet man in diesem Buch definitiv nicht, jeder hat auch seine Schattenseiten, niemand ist nur schlecht. Nun gut - fast niemand. Die Eigenarten und die verschiedenen Typen hat Nele Neuhaus so wunderbar beschrieben, dass sich das ganze fast liest wie der Bericht einer aufmerksamen Beobachterin. Es fiel mir teilweise schwer zu glauben, dass alles wirklich erfunden ist.

Für Menschen, die wie ich über eine sehr bildhafte Fantasie verfügen, könnte es teilweise vielleicht ein bisschen zu blutig zugehen, auch wenn die Autorin diese Szenen nicht allzu genau beschreibt. Mir war es nicht zu viel, sondern meiner Meinung nach genau angemessen und nicht mehr und nicht weniger, als für die Geschichte wirklich notwendig war. Und im Verhältnis zu anderen Autorinnen hat sich Nele Neuhaus in meinen Augen auch zurückgehalten...

"Eine unbeliebte Frau" ist ein wirklich spannender Krimi, bei dem man als Leser bis zum Schluss miträtseln kann. Erfreulich klischee-frei und mit sympathischen und sehr real wirkenden Ermittlern.

Bewertung:

Donnerstag, 5. August 2010

Nina Blazon - Totenbraut



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Verlag: Ravensburger Buchverlag
Seiten: 430

Inhalt:


Es gibt Augenblicke im Leben, die lassen das Herz stillstehen und das Blut kalt werden. Heute weiß ich, es ist der Kuss des Todes, der uns in jenen Sekunden streift und uns alle Wärme nimmt. Das fremde Gesicht, in das ich damals blickte, war von der eisigen Schönheit des Todes und von der Hässlichkeit eines Leidens, tiefer und schmerzhafter, als ein Lebender es ertragen könnte. Ich sah erloschene Augen und totenfahle Haut. Ich sah schwarze Zähne. Und Lippen, die kaum mehr vorhanden waren. Ich roch Taubenfedern und Regen und sah, wie die Gestalt nach meiner ausgestreckten Hand griff.

Meine Meinung:

Wie immer fällt es mir schwer etwas über ein Buch zu schreiben, das mich wirklich begeistert hat. Nachdem ich in einem ziemlichen Lesetief steckte, versprach ich mir von diesem Buch in erster Linie verhältnismäßig leichte Unterhaltung, außerdem kannte ich Nina Blazon und wusste, dass mir ihr Schreibstil zusagt. Dass ich dieses Buch abends auf der Terrasse angefangen habe, gelesen habe, bis es dunkel war und schließlich in meinem Zimmer fast die ganze Nacht hindurch gelesen habe, sollte eigentlich schon mehr als genug ein Beweis dafür sein, wie sehr mich diese Geschichte in ihren Bann gezogen hat!

Ich liebe düstere Geschichten. Und ich liebe Vampire. Richtige Vampire. Solche, die einen in Angst und Schrecken versetzen und einem einen eiskalten Schauer den Rücken hinunter jagen. In Erzählungen, Zeugenaussagen und sogar medizinischen Berichten aus Osteuropa gibt es solche Vampire. Nicht alle von ihnen trinken Blut, es gibt da erstaunlich viele verschiedene Arten, aber alle bringen Tod und Verderben über Mensch und Tier. Dafür dass sich Nina Blazon diesem faszinierenden Stoff angenommen hat, bekommt sie bei mir schon mal einen fetten Pluspunkt.

Der Inhalt ist eigentlich recht schnell erzählt: Jasna muss ihr zuhause verlassen und wird an einen fremden Mann verheiratet, dessen Familie ein schreckliches Geheimnis hat. Und auch in diesem Vampirroman darf die Liebe natürlich nicht fehlen.

Allerdings ist die Atmosphäre mit den heutzutage gängigen Vampirromanen überhaupt nicht zu vergleichen. Dieser Roman ist düster und von Anfang an spürt man die Gefahr, in der Jasna sich befindet, wie eine kalte Hand im Nacken. Quälend langsam wird ein Rätsel nach dem anderen aufgelöst bis es dann am Ende doch ganz anders kommt als erwartet.

Trotz dieses Themas und dieser Handlung, kommt Nina Blazon, wenn ich mich richtig erinnere, mit erfreulich wenigen blutigen Szenen aus. Tatsächlich schreibt sie im Nachwort, sie habe deutlich weniger Menschen sterben lassen, als es damals wirklich gab. Denn, und das hat mich an der Geschichte am meisten erschreckt, diese Vorfälle gab es wirklich, einige der Personen basieren auf realen Vorbildern. Kommt also zu der ohnehin schon sehr gruseligen Geschichte noch die Vorstellung, dass diese Menschen in dem Dorf wirklich gelebt haben und wie sie sich gefürchtet haben müssen in der Dunkelheit der Nacht, in der es noch keinen Strom gab, steigert das den Gruselfaktor noch einmal.

In solchen Büchern ist es für mich immer das Wichtigste, dass ich mich mit der Hauptperson identifizieren kann, mich in sie einfühlen kann. Wenn das nicht passiert, bleibt der Abstand zum Geschehen oft so groß, dass ich mich nicht wirklich fürchten kann. Bei Jasna war es jedoch nicht schwierig, sie gern zu haben. Ein junges Mädchen, das aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen wird und nicht nur unter schrecklichem Heimweh leidet, sondern auch noch in der neuen Heimat alles andere als willkommen ist. Dennoch ist sie selbstbewusst und mutig und tut, was sie kann, um mit dieser Situation klarzukommen, was mir sehr gut gefallen hat. Und nicht nur sie, sondern auch die übrigen Personen sind alles andere als farblose Figuren, die auf eine Geschichte zugeschnitten wurden. Jede einzelne hat einen ganz speziellen Charakter, der sie einzigartig macht und sehr real erscheinen lässt.

Vom Stil her ist der Roman tatsächlich sehr leicht zu lesen und mit wenigen Mitteln schafft es die Autorin, die Spannung aufrecht zu erhalten und die unheimliche Atmosphäre in allen Details zu beschreiben. Gleichzeitig übermittelt dieser Roman einiges an Informationen über das Leben in Osteuropa im 18. Jahrhundert, wie zum Beispiel der Alltag unter österreich-ungarischer Herrschaft oder die Feindschaft mit den Türken, die in der Geschichte eine große Rolle spielt. Meiner Meinung nach hat Nina Blazon es geschafft, die historischen Fakten und die erfundene Handlung so gut miteinander zu verknüpfen, dass man das Gefühl hat, es muss sich tatsächlich alles genau so zugetragen haben.

Nina Blazon hat mit Totenbraut einen wunderbaren historischen Schauerroman geschrieben, den ich wirklich jedem empfehlen kann.

Bewertung:

Dienstag, 3. August 2010

Charlotte Thomas - Der König der Komödianten



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Verlag: Lübbe
Seiten: 698


Inhalt:

Veneto 1594: Sie sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen - eine bezaubernde Hauptdarstellerin, ein waffenstarrender Zwerg, ein schlitzohriger Intendant und dessen bockige Enkelin. Mitten hinein in dieses schillernde Ensemble gerät der achtzehnjährige Marco, der noch nicht viel von der Welt gesehen hat.

Der unerfahrene Jüngling ist begeistert von der faszinierenden Welt des Theaters und zieht mit der Truppe nach Venedig, wo es bald um Sein oder Nichtsein geht: Nur ein neues Stück kann das Ensemble noch vor dem Ruin retten. Vom Kulissenschieber steigt Marco zum Gehilfen des trunkensüchtigen Bühnendichters auf und dann zum Autor seines eigenen Stücks. Doch bis er dieses auf die Bühne bringen kann, muss er noch viel lernen. Über das Schreiben. Über die Liebe. Und vor allem über das Leben selbst.

Meine Meinung:

Dass ich historische Romane oft als mein Lieblingsgenre angebe, aber noch kein einziges Buch von Charlotte Thomas gelesen habe, grenzte ja schon fast an ein Verbrechen! Daran musste sich also schnell etwas ändern und zum Glück habe ich dann die Leserunde zu Der König der Komödianten (auf leserunden.de) entdeckt.

Die größte Hürde, die ein Buch nehmen muss, um von mir gelesen zu werden, ist das Cover. Irgendwie bin ich sehr darauf fixiert und wenn es mir nicht gefällt, hat es eine Geschichte schon sehr schwer bei mir - da muss sich der Autor dann wirklich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Aber auch wenn das bei diesem Buch sicherlich gelungen wäre - denn die Idee einen eher lustigen historischen Roman zu schreiben ist schon ziemlich genial - war ich vom Titelbild von Anfang an bezaubert. Tatsächlich keine kopflose Dame, sondern ein Bild, das etwas über den Inhalt aussagt und dazu noch wunderschön ist: Eine Maske und eine Rose im Vordergrund, dahinter die Umrisse von Venedig. Das ist aber noch nicht alles: Als ich das Buch zum ersten Mal aufschlug, machte ich fast einen kleinen Freudensprung, denn vor jedem neuen Abschnitt waren tatsächlich Zeichnungen, von den einzelnen Figuren, die in einer Commedia dell' Arte vorkommen.

Der Grundstein war also gelegt und ich freute mich wirklich sehr darauf, in diese Geschichte einzutauchen. Wie es oft so bei mir ist, stellte ich mich darauf ein, mich erstmal für ein paar Seiten "einlesen" zu müssen, um wirklich ins Geschehen einzufinden und mich mit den Charakteren vertraut zu machen. Weit gefehlt - und schon nach den ersten paar Sätzen war ich drauf und dran, das Buch wieder aus der Hand zu legen! Warum? Nun ja, Sexszenen sind grundsätzlich nichts, was ich gerne lese, und dann noch als Einstieg in einen historischen Roman? Nein danke. Zum Glück habe ich aber noch ein bisschen weitergelesen und atmete schon wenige Augenblicke erleichtert auf, bevor ich zum ersten Mal - aber sicherlich nicht zum letzten - laut auflachte. Der Protagonist Marco ist nämlich ein ziemlich frecher Kerl, der seinen Onkel heimlich dabei beobachtet, wie der sich mit der Köchin vergnügt. Dabei meint er es nicht mal böse, sondern ist einfach nur daran interessiert, was denn da genau passiert, weil er selbst zu abgeschieden lebt um überhaupt mal ein Mädchen kennen zu lernen. So lernte ich also den Hauptcharakter kennen und sofort lieben. Marco ist einfach sehr sympathisch, oft unfreiwillig komisch und sehr süß.

Da das Buch aus Marcos Sicht in der ersten Person erzählt wird, konnte ich fast sofort mit ihm mitfühlen und mitleiden, denn vor allem am Anfang muss er einige heftige Schicksalsschläge verkraften. Doch zum Glück lernt er die Schauspieler kennen, die ihn als Schreibgehilfen aufnehmen und für ihn zu einer Familie werden. Wenn sie auch alle sehr chaotisch sind und alle keine ganz weiße Weste mehr haben, sind sie doch wahnsinnig liebenswerte Personen. Das merkte man auch in der Leserunde, in der jeder Teilnehmer eine andere Figur am liebsten zu haben schien. Ich gestehe: Mein persönlicher Favorit war der schöne Cipriano mit den goldenen Locken. Und wie die Frauen im Publikum bei den Theatervorführungen war auch meine Meinung: Es ist egal, ob er Männer oder Frauen vorzieht - ich will ja nur gucken! ;) Oft ist meine Fantasie da vielleicht auch mit mir durchgegangen...
Aber auch der alte Baldassarre, der eine eigenartige Vorliebe für Badehäuser hat, oder Bernardo, der ständig betrunken ist und die Verehrer seiner Frau ihrer Männlichkeit beraubt, oder die störrische Elena hatte ich sofort ins Herz geschlossen und konnte sie vor meinem inneren Auge so deutlich sehen, als würde ich einen Film ansehen statt ein Buch zu lesen.

Und wie schon oben erwähnt: Das Lachen kam nicht zu kurz! Ich glaube, es ist ziemlich schwierig, den richtigen Ton zu finden und Leute zum Lachen zu bringen, aber Charlotte Thomas hat es geschafft. Zum Glück habe ich nur zuhause gelesen, aber auch da habe ich mir einige überraschte Seitenblicke eingefangen, wenn ich mal wieder scheinbar grundlos losgeprustet habe. Trotzdem sind Spannung und Dramatik auch nicht zu kurz gekommen und natürlich durfte die eine oder andere Liebesgeschichte nicht fehlen. Und da auch noch viele Informationen über die Commedia dell' Arte und das Venedig des 16. Jahrhunderts miteinflossen, war ich einfach restlos begeistert.

Meiner Meinung nach ist Der König der Komödianten ein absolut lesenswertes Buch, auch für diejenigen, die sonst mit historischen Romanen vielleicht eher weniger anfangen können!

Bewertung: